Alopecia androgenetica (der genetische Haarausfall) ist die häufigste Form des Haarausfalls. In Europa sind ca. 60-80 % der Männer von erblich bedingter Alopezie betroffen, die zu „Geheimratsecken“, einer Tonsur oder im ausgeprägten Fall zu einer für Männer typischen „Glatze“, führt. Es wird davon ausgegangen, dass aufgrund genetischer Prägung bestimmte Haarfollikel am Kapillitium eine verstärkte Sensibilität gegenüber Androgenen aufweisen. Wenngleich sich der Haarausfall bei Frau und Mann unterschiedlich manifestiert, so sind dennoch die zugrunde liegenden Mechanismen dieselben.

Bei jungen männlichen Patienten, bei denen der Haarausfall familiär gehäuft auftritt und meistens am Vorderkopf und an den Schläfen beginnt („Geheimratsecken“, „Stirnglatze“), ist auch von Alopecia praematura oder Alopecia simplex die Rede. Das Norwood-Hamilton Schema dient der Einstufung der aktuellen Haarsitutation bei genetischem Haarausfall.

Sobald auf dem Oberkopf des Mannes eine Tonsur entsteht wird meistens zum Rasierer gegriffen und das Resthaar auf wenige Millimeter getrimmt. Das Haarbild wirkt zwar gepflegt, jedoch ist die androgenetische Alopezie immernoch für Außenstehende offensichtlich und als solche identifizierbar.

Für Betroffene, die sich nicht mit dem Schicksal lichter Haare oder einer Glatze abfinden möchten, gibt es frei verkäufliche Pillen und Tinkturen in Drogerien, Apotheken und dem Internet. Sie alle haben jedoch eines gemeinsam – ihre nicht nachweisbare Wirksamkeit.

Alopecia androgenetica verläuft beim Mann nach dem Norwood-Hamilton Schema

Abbildung 1: Das Norwood-Hamilton Schema bei Alopecia androgenetica

Gibt es wirksame Medikamente gegen Alopecia androgenetica?

Nach wissenschaftlichen Kriterien gibt es zwei Wirkstoffe, die zur Behandlung von Haarverlust zugelassen sind. Das apothekenpflichtige Minoxidil gibt es mittlerweile in vielen verschiedenen Präparaten mit und ohne Alkohol als Flüssigkeit oder Schaum, zur äußerlichen Anwendung. Männer erhalten die Minoxidillösung mit 5% Wirkstoff, während Frauen eine mildere Minoxidillösung mit 3% Wirkstoff angeboten bekommen. Die Präparate werden mehrmals täglich auf die von Alopezie betroffenen Stellen appliziert.Juckreiz, allergische Kontaktdermatitis, Hautentzündung und Hautrötung der behandelten Areale können laut Packungsbeilage auftreten, sind jedoch selten.

Der Wirkmechanismus der Lösung ist nicht genau bekannt. Klinische Studien belegen eine relativ rasche Vermehrung der Haare nach 4 Monaten. Dieser Effekt beruht allerdings auf einer vorübergehenden Verlängerung des Haarzyklus. Die Haardichte sinkt nicht selten nach 6 Monaten wieder ab und der Haarausfall schreitet weiter fort. Die rezeptpflichtige Finasterid Tablette in 1mg Dosierung wird einmal täglich oral eingenommen. Der Wirkstoff bewirkt eine Hemmung des Enzyms 5-α-Reduktase Typ II, welches die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) bewirkt. DHT ist einer der weitesgehend unbekannten Faktoren der männlichen Glatzenbildung. Da die Einnahme von Finasterid die DHT-Aktivität senkt, wird das Haarfollikel weniger beeinträchtigt, als ohne Behandlung. Dadurch kann der Haarausfall bei einigen Patienten zu einer Verlangsamung, bei anderen zu einer Pausierung und im besten Fall zu einer optischen Verdichtung der Haare kommen.

Inwieweit der neue Haarwuchs als Behandlungserfolg gilt, ist subjektiv. Während der eine mit einer Verlangsamung des Haarausfalls zufrieden ist, haben andere den Wunsch aus einem bereits lichten Schopf wieder volles, jugendliches Haar sprießen zu lassen – dieser wird jedoch von keiner der Behandlungsvarianten angestrebt oder garantiert. Die Wirkung beider Präparate ist auf die Einnahmedauer begrenzt. Setzt man die Therapie ab, fallen die Haare weiter aus.

Wie bei allen medikamentösen Therapien, sollte man vor der Einnahme über mögliche Nebenwirkungen durch einen Arzt aufgeklärt worden sein. Laut Packungsbeilage können u.a. Potenzprobleme, Libidoverlust oder eine Gynäkomastie der männlichen Brust auftreten.
DHT ist darüberhinaus wichtig für die Entwicklung des männlichen Embryos/Fötus. Schwangere Frauen sollten den Kontakt mit Finasterid unbedingt vermeiden, da der Wirkstoff über die Haut aufgenommen wird und zur Behinderung der Geschlechtsmerkmale des im Mutterleib heranwachsenden Kindes führen kann.

Welche Medikamente gibt es?

Inwieweit der neue Haarwuchs als Behandlungserfolg gilt, ist subjektiv. Während der eine mit einer Verlangsamung des Haarausfalls zufrieden ist, haben andere den Wunsch aus einem bereits lichten Schopf wieder volles, jugendliches Haar sprießen zu lassen – dieser wird jedoch von keiner der Behandlungsvarianten angestrebt oder garantiert. Die Wirkung beider Präparate ist auf die Einnahmedauer begrenzt. Setzt man die Therapie ab, fallen die Haare weiter aus. Wie bei allen medikamentösen Therapien, sollte man vor der Einnahme über mögliche Nebenwirkungen durch einen Arzt aufgeklärt worden sein. Laut Packungsbeilage können u.a.
Potenzprobleme, Libidoverlust oder eine Gynäkomastie der männlichen Brust auftreten.
DHT ist darüberhinaus wichtig für die Entwicklung des männlichen Embryos/Fötus. Schwangere Frauen sollten den Kontakt mit Finasterid unbedingt vermeiden, da der Wirkstoff über die Haut aufgenommen wird und zur Behinderung der Geschlechtsmerkmale des im Mutterleib heranwachsenden Kindes führen kann.

Alopecia androgenetica bei Frauen

Der überwiegende Teil der von Alopezie betroffenen Frauen leidet unter androgenetischem Haarausfall, welcher als Erkrankung und kosmetisches Problem ihr tägliches Leben beeinflusst. Auch bei Frauen entwickelt sich die Alopezie wie bei Männern durch erhöhte Androgen-Sensitivität der Haarfollikel.
Es kann jedoch auch durch die Behandlung hormonabhängiger Tumoren, wie beispielsweise bei Brustkrebs, zusammen mit entsprechender genetischer Veranlagung, eine Alopezie ausgelöst werden.

Das Ludwig-Schema

Die Lichtung der Haare erfolgt bei Alopecia androgenetica der Frau meist in Form eines dünner werdenden Scheitels nach dem Ludwig-Schema. Die Kopfhaut wird zunehmend sichtbarer und der Haarausfall ist für Außenstehende deutlich erkennbar.

Eine Therapie der androgenetischen Alopezie erfordert in jedem Fall, egal ob bei Männern oder Frauen, Geduld und belohnt den Patienten meist nur mit kleinen, manchmal kaum sichtbaren Fortschritten, selbst nach Jahren kontinuierlicher Behandlung hinweg. Ein noch so ersehntes Wundermedikament, welches die Haare von heute auf morgen sprießen lässt, existiert bislang leider jedoch nicht. Oft wird die Gutgläubigkeit verzweifelter Patienten ausgenutzt, um mit den so genannten “Haarwuchsmitteln” Geld zu verdienen.

Wie sehr die Haare – speziell das Kopfhaar – nicht nur unser Erscheinungsbild verändern, sondern auch mit unserem persönlichem Selbstempfinden zu tun haben, wird meist erst bei plötzlichem genetisch bedingten Haarausfall tiefer bewusst. Alopecia androgenetica kann bei Männern und Frauen mit zunehmender Glatzenbildung für alle Betroffenen ein schweres seelisches Trauma bedeuten, bei Kindern sogar die Persönlichkeitsentwicklung beeinträchtigen.

Das Ludwig Schema beschreibt den Haarausfall bei der Frau.

Abbildung 2: Das Ludwig Haarausfall Schema bei Alopecia androgenetica der Frau