Alopecia barbae ist zwar selten, tritt jedoch schon häufig schon im Kindes- und Jugendalter auf.

Obwohl der Haarverlust auf der Kopfhaut weitaus häufiger und vor allem offensichtlicher ist, handelt es sich hier beileibe nicht um die einzige Körperpartie, die von Haarausfall betroffen sein kann. Der Verlust von Haaren kann nämlich auch die Schambehaarung, die Augenbrauen, die Wimpern und sogar den Bartwuchs betreffen.

In diesem Fall leiden die betroffenen Männer unter Alopecia barbae. Zwar handelt es sich bei Alopecia barbae in erster Linie um ein kosmetisches Problem, das jedoch im individuellen Fall zu – oft großen – psychischen Problemen führen kann. Schließlich tritt das Problem des schwindenden Haarwuchses ausgerechnet in einer Körperregion auf, wo die kahlen Stellen sofort auffallen und sich nicht kaschieren lassen.

Was ist Alopecia barbae?

Die Erkrankung Alopecia barbae ist räumlich eng begrenzt und bewirkt den Haarausfall am Schnurrbart und an der Kinnbehaarung. Das Problem äußert sich vor allem in Form von kleinen, kahlen Flecken, die häufig einen runden Umriss besitzen. Bei Alopecia barbae handelt es sich um keine ernsthafte Krankheit, welche gravierende Auswirkungen auf das gesundheitliche Wohlbefinden des Menschen hat. Dennoch kann sich die Lebensqualität der Betroffenen erheblich verschlechtern, weil als eine indirekte Folge der kahlen Stellen im Gesicht psychische Probleme auftreten können.

Alopecia barbae kann einem Mann seinen geliebten Bart plötzlich und schleichend nehmen.

Abbildung 1: Ein gepflegter Bart gehört bei vielen Männern zum Statussymbol

Der Grund: Für viele Außenstehende signalisieren die kahlen Stellen eine ernsthafte Erkrankung, weshalb sie oft abweisend reagieren und einen näheren Kontakt zu den Betroffenen vermeiden, weil sie eine mögliche Ansteckung befürchten. Damit bereiten sie den von Alopecia barbae betroffenen Menschen jedoch zusätzlichen psychischen Stress. Die einfachste Lösung für viele Männer, die unter Alopecia barbae leiden, besteht in der täglichen Rasur, damit die kahlen Stellen nicht auffallen.
Für Männer mit starkem Bartwuchs stellt das allerdings auch keine befriedigende Lösung dar, weil die kahlen Stellen schon nach wenigen Stunden wieder sichtbar sind. Sie müssten sich also mehrmals täglich rasieren.

Welche Ursachen hat Alopecia barbae?

Wodurch Alopecia barbae ausgelöst wird, ist medizinisch noch nicht geklärt. Man geht aber davon aus, dass die Ursache für den Ausfall der Gesichtsbehaarung auf eine Fehlfunktion des Immunsystems zurückgeht. Dies greift die Follikel der Haare an Kinn und Schnurrbart an und stoppt zunächst das Wachstum der Haare. Im weiteren Verlauf kommt es im Bereich des Haarwurzelsystems zu Entzündungen, und oft fallen die betroffenen Haare schon nach wenigen Tagen aus. Daher wird Alopecia barbae auch als eine – seltene – Art von Alopecia areata, im Volksmund bekannt
als kreisrunder Haarausfall, eingestuft. Erhärtet wird diese Einschätzung dadurch, dass ein Teil der Betroffenen unter beiden Formen des Haarausfalls leidet. Jedoch gehen die Schätzungen, wie viele Männer sowohl unter Alopecia areata als auch unter Alopecia barbae leiden, relativ weit auseinander und reichen von zwei bis 20 Prozent.

Zwei Krankheiten mit gleicher Symptomatik

Ähnlich wie bei Alopecia barbae handelt es sich auch bei Alopecia areata um eine Autoimmunerkrankung, welche die Betroffenen meist völlig unvorhergesehen trifft. Der kreisrunde Haarausfall bei Haupthaaren tritt in einigen Familien jedoch gehäuft auf, weshalb von Medizinern genetische Einflüsse nicht ausgeschlossen werden. Häufig geht der Haarausfall am Kopf mit anderen Autoimmunkrankheiten wie Vitilligo oder einer perniziösen Anemie einher. Auch der Verlauf ist bei Alopecia areata und Alopecia barbae sehr ähnlich: In beiden Fällen verändern sich die Haarfollikel entweder durch äußere oder innere Einflüsse,
sodass das Immunsystem sie als Fremdkörper identifiziert, weshalb Antikörper gebildet werden, um die Follikel zu zerstören. Vielfach wird diese für den Haarwuchs verhängnisvolle Ereigniskette nach Stresssituationen in Gang gesetzt. In diesem Fall verschwindet das Problem aber oft ohne weitere Maßnahmen von selbst wieder.

Folgende Faktoren können beide Formen der Areata auslösen:

 

  • psychischer und emotionaler Stress
  • genetische Faktoren
  • verschiedene chemische Stoffe
  • fehlerhafte Chromosomen, wie sie etwa beim Down Syndrom der Fall sind

 

 

Grundsätzlich kann diese Form des Haarausfalls in jedem Lebensalter vorkommen. Es wurde auch bereits beobachtet, dass die Haare plötzlich an anderen Stellen ausfallen, während sie an den kahlen Stellen wieder nachwachsen. Gelegentlich können Begleiterscheinungen wie Brennen, Stechen, Jucken oder
andere Schmerzen an den betroffenen Stellen auftreten. In seltenen Fällen kann es auch zu Deformationen an den Nägeln kommen.

Wie lässt sich Alopecia barbae heilen?

Ebenso wie für Alopecia areata gibt es für die seltenere Unterform Alopecia barbae keine Standard-Therapie, die einen Heilungserfolg verspricht. Hier ist außerdem zu unterscheiden, ob es sich um eine leichte oder um eine schwere Form handelt. Denn etwa bei 80 Prozent der Betroffenen, die unter Alopecia barbae in leichter Ausprägung leiden, setzt das Haarwachstum nach wenigen Monaten von selbst wieder ein. Die Betroffenen sollten deshalb einen Hautarzt zurate ziehen und die Chancen und Risiken einer medikamentösen Therapie sorgfältig abwägen. Beispielsweise haben sich Kortisonpräparate, die unter ärztlicher Kontrolle – meist in Form von Tabletten –
verabreicht werden, ebenso nebenwirkungsarm erwiesen wie die Einnahme von Zink. Allerdings setzt der Haarausfall wieder ein, sobald das Präparat abgesetzt wurde, sofern das Immunsystem die Haarfollikel weiter attackiert. Präparate, welche das Immunsystem dämpfen, machen hingegen wenig Sinn, weil sie sehr ausgeprägte Nebenwirkungen haben.

Transplantation ist keine Lösung

Zwar kann auch im Falle der Alopecia barbae theoretisch eine Haartransplantation durchgeführt werden. Jedoch bietet diese Option keine dauerhafte Lösung, weil das Immunsystem auch die Follikel der transplantierten Haare angreifen würde,
weshalb diese auch nach kurzer Zeit wieder ausfallen könnten.

Therapien werden noch erprobt

Sowohl für die Therapie von Alopecia areata als auch von Alopecia barbae werden aktuell verschiedene Therapiemöglichkeiten erprobt. Allerdings lässt sich bei keiner Variante eine zuverlässige Aussage über den Heilerfolg treffen, weil die Patientenzahlen in durchgeführten Studien noch zu gering sind.Gute Ergebnisse konnten mit einer Moxidil-Lösung erreicht werden, die auch bei der Behandlung des erblich bedingten Haarausfalls verwendet wird. Jedoch kann diese Form der Therapie ebenso wenig zuverlässig bewertet werden wie die Lichtbehandlung mit UV-Strahlen, die bei einigen Patienten erprobt wurden. Vielversprechende Ansätze zeigten sich für die Behandlung von Alopecia areata und Alopecia barbae auch mit der traditionellen chinesischen Medizin, wo mit Elementen der Kräuterheilkunde und Akupunktur vor.

Gute Ergebnisse konnten von der Deutschen Gesellschaft für TCM und der Universität Sofia erzielt werden, jedoch fehlen wissenschaftliche Studien für diese Therapieform.Bei schweren Formen des Haarausfalls mit großflächigen kahlen Stellen wird von einigen Hautarztpraxen und Universitäts-Hautkliniken eine äußerliche Immuntherapie mit Diphenylcyclopropenon erprobt. Dabei wird über einen Zeitraum von bis zu 43 Wochen wöchentlich eine Ekzemreaktion ausgelöst. Bei rund einem Drittel führt diese Therapie zum gewünschten Haarwachstum.