Haarersatz in Form von Echthaarperuecken wurde schon im alten Ägypten und im römischen Weltreich getragen, bevor sie  für einige Jahrhunderte in Vergessenheit geraten war. Erst zu Zeiten des frühen Barock im ausgehenden 16. Jahrhundert erlebte der Haarersatz eine Renaissance. Zunächst ging es darum, mit dem Haarersatz den Haarausfall, der durch die Behandlung der damals weitverbreiteten Geschlechtskrankheit Siphyllis einsetzte, zu verbergen. Zum Statussymbol für die gehobene Gesellschaft wurde sie schließlich, als der französische Sonnenkönig zur Perücke griff, um seine schwindende Haarpracht zu verbergen. Zu diesem Zweck wird der Haarersatz auch heute genutzt, wenngleich er beispielsweise im Fasching oder zu Halloween auch gern als modisches Accessoire verwendet wird. Unterschieden wird zwischen folgenden Varianten:

  • Kunsthaarperücke
  • Echthaarperücke

Beide bieten ihre besonderen Vor- und Nachteile, wobei die Kunsthaarperücke eher als modisches Accessoire gilt, während das Modell aus echtem Menschenhaar der natürlichen Frisur des Menschen am ehesten entspricht.

Eine Perücke bietet sofortige Hilfe ohne Nebenwirkungen

Abbildung 1: Eine Echthaarperuecke bietet sofortige Hilfe ohne Nebenwirkungen

Ein kosmetischer Notnagel?

Eigentlich entspricht es dem Schönheitsideal moderner Zeiten, das Haar möglichst natürlich zu tragen. Dies wird als Zeichen von Jugend und Vitalität betrachtet. Während der Haarersatz in Film und Theater ein durchaus weitverbreiteter Teil der Maske ist, wird er von weiten Teilen der Bevölkerung meist nur zu Festen oder besonderen Anlässen getragen, wobei hier kein allzu großer Wert darauf gelegt wird, dass die Echthaarperuecke dem natürlichen Look des Haares möglichst nahe kommt.Als modische Accessoires werden von Frauen auch gern Haarverlängerungen – sogenannte Extensions getragen. Hierbei werden künstliche oder echte Haare mit dem Eigenhaar verbunden, sodass die Haare verlängert werden und die Frisur insgesamt voluminöser wirkt. Soll diese Verbindung nur kurzzeitig bestehen, werden Klebestreifen oder Clips verwendet, andernfalls werden die Haarteile mit dem Eigenhaar verflochten.

Getragen wird die Echthaarperuecke aber auch von Menschen, die aus verschiedenen Gründen von Haarausfall betroffen sind. Beispielsweise greifen Krebspatienten, die sich einer Chemotherapie unterzogen haben, gern zum Haarersatz, bis die eigenen Haare wieder ausreichend nachgewachsen sind. Dies hat neben dem kosmetischen Effekt

durchaus psychologische Gründe: Die Patienten müssen nach der überstandenen Erkrankung nicht auch noch mit einem Schönheitsmakel leben, der sie an die schwierige Zeit während der Therapie erinnert werden. Das hat zur Folge, dass sie sich wohl in ihrer Haut fühlen, was wiederum den Heilungserfolg verstärkt.Eine ähnliche Motivation haben Männer und Frauen, die unter Haarausfall leiden und deshalb eine Echthaarperuecke auf dem Kopf tragen wollen. Denn verschiedene Formen des Haarausfalls wirken auf Außenstehende unästhetisch, oft assoziieren sie damit sogar eine ernsthafte Erkrankung, die vielleicht sogar ansteckend sein könnte. Obwohl dies nicht der Fall ist, zieht sich dennoch das soziale Umfeld der von Haarausfall betroffenen oft zurück, die oft irgendwann von sich aus soziale Kontakte meiden und sogar ernsthafte psychische Probleme wie Depressionen entwickeln können.

Wer übernimmt die Kosten für die Echthaarperuecke?

Sofern es sich nicht um ein modisches Accessoire für die Faschingszeit handelt, kann der Preis für eine Echthaarperuecke schnell einen drei- bis vierstelligen Betrag erreichen. In jedem Fall kann der Arzt einen Haarersatz verordnen, wenn der Haarausfall absehbar ist, wie es bei einer Chemotherapie der Fall ist. Je nachdem, bei welcher Krankenkasse die Patienten versichert sind, werden die Kosten teilweise oder ganz übernommen. Auch wenn der Haarersatz aus anderen Gründen notwendig ist, übernehmen die Krankenkassen die Kosten dafür teilweise. Wie der Spitzenverband der Krankenkassen sagt, diene die Perücke dazu, eine Behinderung – die der Haarausfall darstellen kann –
auszugleichen. Jedoch wird von den verschiedenen Kassen kein einheitlicher Anteil übernommen. Die Betroffenen sollten deshalb vorab bei der Krankenkasse nachfragen, um hinterher eine unangenehme finanzielle Überraschung zu vermeiden. Auch sollten sie darauf achten, ihre Echthaarperuecke bei einem Echthaarperueckenmacher zu beziehen, der eine Zulassung der Krankenkasse besitzt.

Echthaarperuecke aus Kunst- oder Echthaar? Das sind die Unterschiede

Eine Perücke aus Kunsthaar ist nicht nur günstiger, sondern gilt auch als pflegeleichter als der Haarersatz aus Echthaar. Die Modelle aus Kunsthaar müssen lediglich mit speziellem Shampoo und Balsam in kaltem Wasser gewaschen, an der Luft getrocknet und anschließend aufgeschüttelt werden. Für das Kämmen sollte eine spezielle Haarbürste verwendet werden, um den Haarersatz bestmöglich zu schonen. Der Haarersatz aus Kunsthaar hat allerdings nur eine Lebensdauer zwischen drei und neun Monaten. Diese Zeitspanne reicht aber in den meisten Fällen völlig aus, um den mit der Chemotherapie einhergehenden Haarverlust bei Krebspatienten optisch auszugleichen. Jedoch ist es bei diesen Modellen nicht möglich, die Frisur zu ändern. Zudem fühlt sich der Haarersatz aus Kunsthaar auch künstlich an.

Die Haare der teureren Echthaarperuecke fühlen sich hingegen echt an und können auch beliebig verändert und frisiert werden. Diese Modelle weisen auch eine wesentlich längere Lebensdauer von bis zu drei Jahren auf, dies ist abhängig davon, woher das Haar stammt und wie es für die Verarbeitung zur Echthaarperuecke behandelt werden muss. Der Haarersatz aus echtem Haar ist allerdings um einiges anspruchsvoller in der Pflege.

Eine Perücke muss bequem sein, damit man sie gerne trägt.

Abbildung 2: Eine Echthaarperuecke muss seinem Träger bequem sein, damit er sie gerne trägt

Woher stammt das echte Haar für Echthaarperuecken?

Während die Haare für Kunsthaarperücken aus Kunststoffen hergestellt werden – weil diese hitzeempfindlich sind, darf die Perücke auch nicht geföhnt werden – stammen die Haare für Echthaarperuecke von Menschen. Vor allem Frauen aus Indien und China nutzen die Möglichkeit, ihr Haar zu verkaufen, um ihre Haushaltskasse aufzubessern. In Indien etwa werden die Haare nach traditionellen hinduistischen Ritualen in Tempeln geopfert und anschließend auf Auktionen verkauft. Vor der Weiterverarbeitung werden die Haare gewaschen, sortiert und gefärbt. Dafür werden sie zunächst in Osmosebädern gewaschen und anschließend mit neuen Farbpigmenten befüllt.
Der Perückenmacher formt aus Materialien wie Monofilament eine künstliche Kopfhaut. In diese werden die Echthaare geknüpft, sodass die fertige Echthaarperuecke tatsächlich wie echtes Haar wirkt. Diese Variante wird von Kunden geschätzt, die eine möglichst natürlich wirkende Perücke haben wollen. Als Alternative bietet sich eine maschinell produzierte Perücke an, wobei das Haar auf Tüllbänder genäht wird.

Das sollten Träger einer Perücke vorraussetzen

Sowohl Kunst- als auch Echthaarperücken müssen möglichst passgenau auf dem Kopf sitzen. Deshalb ist jede Perücke mit verstellbaren Riemchen ausgestattet, die eine Verengung oder Erweiterung des Haarnetzes ermöglichen. Bevor sich die Betroffenen für eine bestimmte Perücke entscheiden, sollten sie darauf achten, wie Scheitel und Haaransatz gearbeitet wurden. Im Vergleich zum Echthaar kann es hier deutliche
Unterschiede zum Eigenhaar geben, an welchen der Haarersatz für aufmerksame Beobachter schnell erkennbar wird. Ein Friseurbesuch ist meist ebenfalls notwendig, damit der Haaransatz so zurechtgeschnitten wird, dass die Perücke möglichst natürlich wirkt.