Vor allem Männer leiden oft schon in jungen Jahren unter dem Problem, dass sich ihr Haupthaar lichtet und im Laufe der Jahre komplett verschwindet, sodass es schließlich zur Glatzenbildung kommt. Ob sie dieser entgegenwirken können, hängt in erster Linie von der Ursache ab. So leiden betroffene Männer größtenteils unter genetisch bedingtem Haarausfall, der bereits in jungen Jahren einsetzen kann und sich mit zunehmendem Alter verschlimmert.Während diese Gruppe nur zu kosmetischen Maßnahmen wie einem Toupet oder einer Perücke greifen kann, um die Glatze zu kaschieren, können Männer, die unter dem sogenannten kreisrunden Haarausfall – medizinisch Alopecia areata genannt – auch verschiedene Therapien gegen die Krankheit anwenden. Diese kann im Extremfall nämlich zur Alopecia totalis, also zum kompletten Haarausfall des Haupthaares, führen.

Was kommt vor der Alopecia totalis?

Bevor die betroffenen Männer und Frauen unter einem kompletten Haarausfall am Kopf leiden, sind bereits die deutlichen Anzeichen von kreisrundem Haarausfall auf der Kopfhaut zu sehen. Diese bleiben in vielen Fällen unentdeckt, weil die Alopecia areata meist schmerzfrei verläuft. Allenfalls wird ein Jucken oder ein Brennen an den Stellen der Kopfhaut bemerkt, an welchen die Haare ausfallen. Diesen Symptomen wird jedoch häufig keine Beachtung geschenkt.

Entdeckt wird die Vorstufe der Alopecia totalis häufig vom Friseur beim regelmäßigen Haarschnitt. Sobald das Problem erst einmal entdeckt ist, sollte in jedem Fall ein Experte zurate gezogen werden.Ein Hautarzt etwa kann mögliche Ursachen für den Haarausfall ausmachen, geeignete Therapien vorschlagen und bis zu einem gewissen Grad auch abschätzen, wie groß die Gefahr ist, dass sich eine Alopecia totalis entwickelt.

Alopecia totalis bei der Frau - es bleibt nur noch der Griff zur Perücke oder micro Haarpigmentierung

Abbildung 1: Alopecia totalis bei der Frau

Was kann Alopecia totalis auslösen?

Welche Mechanismen dazu führen, dass Alopecia areata als Vorstufe einer Alopecia totalis entsteht, ist wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt. Als sicher gilt jedenfalls: Es handelt sich beim kreisrunden Haarausfall ebenso wie bei der Alopecia totalis um die Folge einer Immunstörung. Denn ausgelöst wird der Haarausfall dadurch, dass das Immunsystem das Haarwurzelsystem an der Kopfhaut als Fremdkörper identifiziert und attackiert. Daraufhin bildet sich eine Entzündung im Bereich der Follikel und letztlich fallen die Haare aus. Sehr oft tritt der Haarausfall
als Folge von psychischem Stress auf, aber auch genetische Faktoren dürften eine Rolle spielen. Denn in bis zu 25 Prozent aller Fälle tritt die Alopecia totalis innerhalb einer Familie gehäuft auf. Möglicherweise kann der Haarausfall aber auch von äußeren Faktoren wie chemischen Substanzen hervorgerufen oder zumindest verstärkt werden.

So entwickelt sich die Alopecia totalis

Dauer und Verlauf der Alopecia areata lassen sich ebenfalls im Vorfeld ebenfalls nicht zuverlässig einschätzen. Während der Haarausfall nämlich bei vielen Betroffenen nach wenigen Wochen oder Monaten von selbst verschwindet und sich neue Haare bilden, setzt sich der Haarausfall bei anderen bis hin zur Alopecia totalis oder in noch
extremeren Fällen zur Alopecia universalis fort. Letzteres bezeichnet den Ausfall der kompletten Körperbehaarung, also auch an Augenbrauen, im Schambereich und am übrigen Körper.

Wie viele Menschen sind von totalem Haarausfall betroffen?

Zwar sind vorwiegend Menschen im dritten und vierten Lebensjahrzehnt von der Vorstufe der Alopecia totalis betroffen, grundsätzlich kann die Erkrankung aber Menschen in jedem Lebensalter treffen – wobei Männer deutlich stärker gefährdet sind als Frauen. Schätzungen zufolge sind bis zu zwei Prozent aller Menschen Zeit ihres Lebens von der leichten Form des kreisrunden Haarausfalls betroffen.Größtenteils verschwinden die kahlen Stellen am Kopf aber entweder von selbst oder dank einer entsprechenden Therapie nach bis zu sechs Monaten wieder und neues Haar wächst nach. Anfangs handelt es sich dabei um sehr feine und farblose Haare, die aber schon nach kurzer Zeit wieder das frühere Volumen und die Farbe angenommen haben. Nur in vergleichsweise wenigen Fällen leiden die Betroffenen über einen Zeitraum von Jahren unter dem kreisrunden Haarausfall oder gar unter einer Alopecia totalis. Der genaue Verlauf hängt allerdings sehr stark vom individuellen Fall und den Gegebenheiten ab, sodass sich der Krankheitsverlauf nicht pauschal verallgemeinern lässt. Grundsätzlich lässt sich aber sagen: Je geringer das Problem des Haarausfalls ist,

umso größer ist die Chance, dass sich daraus keine Alopecia totalis entwickelt und die Entzündungen, die den Haarausfall bewirken, wieder abklingen. Kommt es im Zuge des Haarausfalls auch zu Veränderungen an Finger- und Zehennägeln, stehen die Chancen auf eine Heilung hingegen eher schlecht.Obwohl kreisrunder Haarausfall und Alopecia totalis kein gesichertes Anzeichen für eine bestimmte Erkrankung sind, kann ein medizinischer Check-up ratsam sein. Denn in einigen Fällen geht der kreisrunde Haarausfall mit einer Fehlfunktion der Schilddrüse oder einer verstärkten Neigung zu Allergien einher.

Ist Alopecia totalis heilbar?

Sobald der kreisrunde Haarausfall festgestellt wird, sind einige Therapien möglich, die unter Umständen verhindern können, dass eine Alopecia totalis entsteht. Jedoch lassen sich die Chancen auf den Heilerfolg nicht prognostizieren, da kein ausreichendes Datenmaterial mit einer genügend großen Zahl an Patienten vorliegt. Ein Erfolg durch eine Haartransplantation lässt sich allerdings in jedem Fall
ausschließen. Denn auch die Follikel der transplantierten Haare werden vom Immunsystem des Körpers angegriffen, sodass auch diese Haare bald ausfallen dürften.

Folgende Therapien versprechen eine Linderung

  • Die Behandlung mittels einer Moxidil-Lösung wird beim erblich bedingten Haarausfall erfolgreich eingesetzt und kann auch bei kreisrundem Haarausfall eingesetzt werden.
  • Die Behandlung mit UV-Strahlung hat bei Patienten einen Heilungserfolg erbracht.
  • Einen vielversprechenden Ansatz bietet die traditionelle chinesische Medizin, wobei hier mit Akupunktur und Kräuterheilkunde gearbeitet wird.
  • Bei etwa einem Drittel der Patienten, die unter einem großflächigen kreisrunden Haarausfall leiden, kann eine Immuntherapie mit Diphenylcyclopropenon das Wachstum neuer Haare angeregt werden.

Der Haarausfall und die Psyche

Bei Alopecia totalis handelt es sich für viele der Betroffenen nicht nur um ein kosmetisches Problem, sondern um eines, das auch an ihrer Psyche nagt. Denn ab einem bestimmten Zeitpunkt lässt sich der Haarausfall nicht mehr durch die Frisur oder andere Hilfsmittel wie ein Toupet kaschieren, ohne dass es für jeden Außenstehenden offensichtlich wirkt.Hier wirken zwei Faktoren verhängnisvoll zusammen: Einerseits schämen sich die Betroffenen ihres Aussehens und versuchen, soziale Kontakte weitgehend zu vermeiden. Andererseits interpretieren

Außenstehende die kahlen Stellen auf der Kopfhaut – vor allem wenn die Alopecia totalis noch nicht völlig ausgeprägt ist – oft als Anzeichen für ein gesundheitliches Problem.Mit psychologischer Hilfe oder dem Besuch einer Selbsthilfegruppe können Menschen, die unter Alopecia totalis leiden, den Umgang mit ihrem sozialen Umfeld üben, um ihr Selbstbewusstsein nicht zu verlieren.